“…und ihr werdet meine Zeugen sein, in Jerusalem, in ganz Judäa, in Samaria und bis an die Enden der Erde.“

– Apostelgeschichte 1,8

Es war nie Jesu Absicht, die Welt, für die er gestorben ist, zu verlassen. Deswegen gab er seinen Nachfolgern den Auftrag „seine Zeugen“ zu sein. Bis heute hat sich das Prinzip nicht verändert: Christen sind Jesu Mund, Hände und Füße in der Welt. Was aber meine Aufmerksamkeit in diesen Worten Jesu geweckt hat, sind die Worte: „in Jerusalem, in ganz Judäa, in Samaria und bis an die Enden der Erde.“ Was bedeuten diese Worte für uns?

Kein Auftrag ohne Kontext!

Ohne einen bestimmten Ort zu erreichen, gibt es keinen Auftrag; ohne Nachbarschaft/Stadt/Ort gibt es keine Mission für die Gemeinde. Kirche existiert also wegen ihrem Kontext und nicht umgekehrt. Als Christen im Alltag erinnern uns diese Worte daran, dass Gott unseren persönlichen Auftrag stark mit unseren Nachbarn im Stadtteil, Arbeitskollegen in Verbindung bringt. Dies bedeutet, dass der erste Schritt um den Auftrag Gottes für uns zu erkennen bzw. verwirklichen, nur darin bestehen kann, die Menschen um uns herum ohne Agenda kennenzulernen: was sind ihre Geschichten, ihre Träume/Hoffnungen? Wer sind wichtige Beziehungen in ihrem Leben? Wir verstehen auch als Gemeinde/Kirchen, dass unsere Vision, Ziele und Programme eine evangeliumsbasierte Antwort auf die Bedürfnisse unserer Nachbarschaften/Städte/Orten sein sollten. Erst wenn wir die Frage stellen, was die Kindergärten und Schulen unserer Städte brauchen, werden wir erkennen, wie unsere Kinder- und Jugendarbeit aussehen sollen. Wenn wir verstehen, welche wichtigen Projekte unserer Stadt voranbringen können, wird es uns klar, wofür wir die nächste Fundraisingsaktion starten sollten.

Es geht von innen nach außen!

Der Grund wieso Jesu Nachfolger in Jerusalem anfangen sollten, ist, dass es der Ort war, an dem sie sich befanden. Es gibt eine interessante Dynamik im Auftrag Jesu: die Welt zu erreichen wird möglich, wenn wir bewusst den eigenen Kontinent erreichen; den Kontinent zu erreichen geht nur, wenn wir bewusst das eigene Land erreichen; das Land zu erreichen geht, wenn wir bewusst die eigene Stadt/Ort erreichen; die Stadt zu erreichen geht nur, wenn wir die Nachbarschaft erreichen; die Nachbarschaft zu erreichen geht nur, wenn wir die Menschen in unserem Beziehungskontext erreichen: Familie – Freunde – Glaubensgemeinschaft. Jesu Nachfolger erkennen, dass ihre Nachbarn und Stadt ihre Botschaft prüfen werden, und zwar anhand von der Qualität ihrer Beziehung zu den Menschen in ihrer näheren Umgebung. Deswegen sagte Jesus: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: Wenn ihr bei euch der Liebe Raum gebt“ (Johannes 13,35) Kein Wunder, dass aus Paulus Sicht ein fähiger Gemeindeleiter an seinem Umgang mit seiner Familie zu erkennen ist (1.Timotheus 3,4).

Diese Jesu Worte laden uns dazu ein, uns immer wieder zwei Fragen zu stellen: Hat mein persönlicher Auftrag/Gemeindeauftrag das Ziel, den Bedürfnissen meiner Nachbarschaft/Stadt/Ort zu begegnen? Ist Gottes Liebe in meinen näheren Beziehungen erkennbar?

Im nächsten Artikel wird es um konkrete Vorschläge gehen, wie wir die Stadt in der wir leben, erreichen können.

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